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Das Spiel “Meteor Kids“, das vom neunjährigen Ian entwickelt wurde, sorgt im Moment für großes Interesse. Wir haben Ian und seinem Vater Thomas via Email ein paar Fragen gestellt. Was sich hinter GameByKids verbirgt, wer die beiden sind und vieles mehr lest ihr in unserem Interview!

Hi Thomas, hallo Ian! Könnt ihr euch zu Beginn bitte gleich einmal vorstellen?

“Ian ist neun Jahre alt und liebt es, wenn er nicht gerade Sport macht, seine Zeit hinter Xbox, 3DS, iPad und dergleichen zu verbringen. Am liebsten ‘erholt’ er sich dann beim Anschauen von YouTube Minecraft Videos. Ich als Vater, der durchaus für Videospiele und jeden Geek-Kram zu begeistern ist, halte diesen Wünschen natürlich stetig entgegen.”

Was verbirgt sich hinter dem Namen ‘GameByKids’?

“Haha! Ich unterstelle der Frage, dass es fast nach einem professionellen Publisher Namen klingt. In Wahrheit ist es unser kleiner WordPress Blog, den wir für unser Vater-Sohn Videospiel Projekt gemacht haben.”

Das Projekt finden wir total interessant! Könnt ihr vielleicht eure Intentionen dahinter etwas näher erklären?

“‘Weniger konsumieren, mehr machen’, lautet meine Devise. Ich finde, dass es wichtig ist, Kinder nicht nur zu vertrottelten Konsumenten heranzuziehen, sondern mit Ihnen auch kreative Dinge zu machen. Dabei ist es völlig egal, was es ist. Ein Kleidchen mit der Tochter schneidern, mit Acryl Bilder malen, einen Schrank zimmern. Erstes und Letzteres ist nicht mein Ding, so versuche ich mit meinem Sohn eben Dinge zu tun, für die ich mich auch begeistern kann (z.B. mit einem 8 Euro Greenscreen, Playmobil Sauriern und einem iPhone einen epischen Film zu drehen) .”

Wer ist auf die Idee gekommen und wie hat das alles angefangen?

“Die Idee mit dem Spiel entstand über Umwege zu Weihnachten. Der Xbox One Launch und die darauf folgende Spiele Orgie der Kinder wurde nahtlos von Weihnachten und mehr Videospielen unter dem Baum abgelöst. Die Spielerei wurde mir schlicht zu viel und endete mit meinem Ausruf an Ian: ‘Bitte nimm deine Gitarre in die Hand, spiele LEGO, male was, aber bitte hör auf zu konsumieren und mach was!’. Er antwortete mit dem Wunsch, ein Spiel selbst zu machen. Ich war baff, im Nachhinein denke ich, er wollte mich nur aus der Reserve locken. Egal. Just zu dieser Zeit ist mir Khanacademy.org untergekommen. Die Seite hat neben unterhaltsamen Videos zum Thema Mathematik einen genialen interaktiven Programmierkurs für Kinder im Angebot. Übrigens eine der Lieblingswebseiten von Bill Gates und von seiner Stiftung unterstützt. Dass das Ganze gratis ist, ist fast nicht zu glauben.

Das Schöne an dem Kurs ist, dass von Lektion 1 an am Screen gezeichnet wird. Keine langweiligen ‘Hello World’ oder ‘wir bauen eine Adressdatenbank’ Tutorials. In den Kurs hat sich Ian vertieft, da war keine weitere Motivation mehr nötig. Manchmal stand er bei einer Challenge am Ende eines Kapitels an, dann bekam er von mir eben Hilfe.”

Mit “Meteor Kids” gibt es ja sogar schon das erste Spiel im App Store herunterzuladen! Wie zufrieden seid ihr mit dem Spiel?

“Wir sind natürlich beide stolz, auch wenn wir wissen, dass es in den nächsten Releases noch einiges zu verbessern gibt und es vermutlich am Ende des Tages immer auf dem Niveau eines einfachen Browser Games bleiben wird. Es ist die Art von Spiel, das du schnell spielst, wenn du an der Bushaltestelle stehst und 2-3 Minuten totzuschlagen hast. Wir haben natürlich gleich einige Kardinalfehler begangen. So ist vielen nicht klar, dass man die blauen und braunen Meteore nicht auf die Erde aufschlagen lassen darf, weil man sonst ein Leben verliert. Das Game ist auch mächtig schwer, wenn man einen guten Score haben will. Das hat uns sogar geholfen, weil dadurch auf Twitter unter Usern ein kleiner Wettbewerb entbrannt ist.”

Könnt ihr uns bitte den Entwicklungsprozess des Spiels beschreiben? Was kam alles von Ian, welche Rolle hattest du dabei, Tom?

“Ian hat im Rahmen des Kurses auf Kahnacademy.org die Grundversion in ProcessingJS programmiert. Das ist ja im Grunde auch sehr einfach. Es werden Meteore gespawnt, mit jedem Update des Draw-Loops nach unten versetzt, gecheckt ob die Position der Maus/Rakete sich mit dem Meteor deckt (Treffer). Alles in Allem sind für die Basisversion nicht viele Zeilen Code notwendig. Daher überrascht es mich auch so, dass vielen das einem Kind so überhaupt nicht zutrauen. In der Phase hat er kaum Hilfe gebraucht, außer er hat mal wieder am Ende der Zeile einen Strichpunkt vergessen.

Die Endversion (Browserspiel siehe: www.gamebykids.com/meteor.html) war eigentlich schon sehr cool und ich dachte, damit sei das Projekt beendet. Ians erste Reaktion nach Fertigstellung war aber: ‘Ich will, dass es das als iPhone App gibt’.

Was danach kam, habe ich eindeutig unterschätzt. Dass ich durchaus ein Geek bin, habe ich erwähnt. Etwas HTML, eine WordPress aufsetzen. Dort und da mal ein ‘Hello World’ gemacht. In meiner Naivität dachte ich mir ‘wie schwer kann’s sein das in Objective-C zu portieren und am iPhone zum Laufen zu bringen’. Äh, mh. Ganz schön schwer für einen halb-gebildeten und einen Neunjährigen, wie sich herausgestellt hat. Ich wollte Ian ‘austricksen’ und gab ihm den Auftrag, das Game Design (Sprites und alles was man so braucht) am iPad mit Sketchbook Pro zu erstellen. Entgegen mein Erwartung war er in einem Tag damit fertig.

Ich nicht. Was folgte: iOS Developer Lizenz besorgt, Game Entwicklung Buch von RayWenderlich.com gekauft und für den Lynda.com Objective-C Essential Training Kurs angemeldet. Das Portieren des Codes von ProcessingJS in Objective-C habe ich dann übernommen. Ohne Ian hätte ich es weder durch die zuvor angeführten Bücher noch durch die tatsächliche Portierung geschafft. Er hat mich wie ein Projektmanager erster Güte angetrieben und wich mir in all der Zeit nicht von meiner Seite.

Die Tatsache, dass ich seinen Code portiert habe, soll seine Leistung nicht schmälern. Er hatte die Idee, machte die ProcessingJS Version, das Art Design und war die treibende Kraft bis zur Fertigstellung.

Danach kam das bei Apple übliche Warten. Die erste Ablehnung der App. Verbessern, wieder einreichen und zuletzt das erlösende Email vergangene Woche, dass Meteor Kids im App Store verfügbar ist. Was für ein (sorry) geiles Gefühl! Ich musste Ian wie versprochen um 23 Uhr, als die Nachricht eintraf, aufwecken.”

Welche Tools habt ihr für die Entwicklung verwendet?

“XCODE und Apples Sprite-Kit.”

Was sind eure Pläne für die Zukunft? Wird es noch weitere Spiele geben – oder vielleicht Updates zu ‘Meteor Kids’?

“Ian wollte ‘so ein Spiel wie Flappy Bird mit einem Hai’ machen. Das konnte ich ihm ausreden. Zuerst wird Meteor Kids noch verbessert. Er hat da schon einige Ideen. Jenseits der 200 Punkte wirds auch etwas eintönig das Spiel, da müssen noch Ideen in zukünftigen Updates kommen. Danach gibt es seiner Aussage nach definitiv was mit einem Hai. Er wird aber für die weiteren Projekte wieder auf ProcessingJS zurückgreifen.”

Ist auch geplant, dass im Rahmen von ‘GameByKids’ andere Kinder Games entwickeln und wie werden diese dabei unterstützt?

“Da das Projekt doch einiges an Staub aufgewirbelt hat, wollen wir die Gunst der Stunde nützen und nach englischem Vorbild einen ‘Coding Club’ für Kids gründen. Wir haben durch unser Projekt einigen Kontakte in UK bekommen, die uns bei dem Vorhaben unterstützen. Ich könnte mir in dem Rahmen auch vorstellen, dass die Kids gemeinsam ein Spiel entwickeln, es zurest in ProcessingJS oder einer ähnlichen Sprache programmieren und dann ein lässiges Game Design machen. Wenn es spannend wird, soll die Umsetzung als Android und iOS App ein Profi machen.

Wir haben so viel Unterstützung aus aller Welt erhalten, dass wir es als unsere Pflicht sehen, das wieder in die Communtiy zurückzugeben.”

Seitens der Medien habt ihr bisher schon einiges an Aufmerksamkeit bekommen. Habt ihr damit gerechnet? Und wie geht es euch damit?

“Die Medienredaktionen aus dem Ausland (v.a. UK) waren super freundlich. Ohne die Unterstützung dieser Journalisten hätten wir vermutlich keine 100 Downloads geschafft. In Österreich gab es ebenfalls freundliche Artikel, aber teilweise sehr böse Kommentare von den Lesern (Ja derstandard.at Poster, ich meine euch).

Überwiegend aber waren die Reaktionen positiv. Mittlerweile haben wir 400 Leute, die uns auf Twitter folgen (Anm. d. Red.: @GameByKids). Eine echte Freude!”

Als Abschluss: Habt ihr noch etwas, das ihr unseren Lesern mitteilen wollt?

“Auf khanacademy.org/cs vorbeischauen und selbst programmieren. Und natürlich Ians Spiel aus dem App-Store laden. Alles unter 200 Meteore ist übrigens ‘mega lahm’ (seine Worte).”

Vielen Dank für eure Zeit und die interessanten Einblicke!