Im Jänner (18. bis 19.) fand das erste Rails Girls Vienna Event statt – wir waren mit dabei und berichten euch ganz nach dem Motto “besser spät als nie” in einem Nachbericht, wie das Event abgelaufen ist.

Der Grund

Rund um den Globus entstehen immer mehr Projekte und Initiativen, die die Beziehung Mädchen/Frauen und Technik in den Vordergrund rücken und diese positiv beeinflussen wollen. Das wohl bekannteste Projekt dieser Art in Österreich ist der “Wiener Töchtertag”.

Der geringe Prozentanteil von Frauen in technischen Beruf ist unter anderem der Auslöser, dass es mehr und mehr dieser Projekte gibt (wie zum Beispiel auch der vor erst vor kurzem zum Trend gewordene #1reasonwhy, in dem die Problematik in der Games Industrie aufgegriffen wurde).

Alle diese Projekte haben, vereinfacht dargestellt, eines gemeinsam:

Frauen einen Rahmen zu bieten, in dem sie sich gemeinsam mit gleichgesinnten (Frauen) Technologie annähern und diese in einem “Umfeld ohne Druck und Stress” aneignen können.

Der Ableger eines dieser weltweiten Projekte wurde Mitte Jänner in Wien von einer Gruppe Freiwilliger rund um Kerstin Kollmann (@kkvie), Nina Schwab (@shuabee), Barbara Fux (@barbarafux), Karin Schöfegger (@kschoef) und Constantin Hofstetter (@consti) im Hub Vienna organisiert - Rails Girls Vienna.

Das Netz der Rails Girls Events spannt sich mittlerweile von Australien bis nach Japan, über Brasilien in die Ukraine, auf die Philippinen bis nach Singapur – eine akuelle Liste findet sich auf www.railsgirls.com - und ist dazu gedacht, Mädchen und Frauen einen Einstieg in die Welt von Ruby on Rails zu zeigen und einen Einstieg in die Welt des Programmierens leichter zu machen.

Die Daten

  • 50 Plätze
  • 40 Teilnehmerinnen
  • 16 Coaches
  • 6 OrganisatorInnen
  • 12 Sponsoring-Partner
  • 18. Jänner: Installationsparty von 18:00 – 20:30
  • 19. Jänner: Workshop von 09:00 – 18:00 mit anschließender Party

Der genaue Ablauf des ersten Rails Girls Vienna-Events mit zahlreichen weiteren Details findet sich auch auf railsgirls.com/vienna.

Der erste Schritt – die Bewerbung zur Teilnahme

Für die Teilnahme am Workshop musste eine kurze (digitale) Bewerbung mit einigen wenigen Informationen übermittelt werden:

Programmiererfahrung, Branche, warum man gerne am Workshop teilnehmen möchte, Betriebssystem der Wahl, Ernährungsgewohnheiten (Einschränkungen)

Kein zu großer Aufwand für die Bewerberin und trotzdem wurden die wichtigsten Eckpunkte abgefragt, um eine informierte Auswahl treffen und das Catering organisieren zu können.

Die Bewerbungsfrist begann mit 18. Dezember und endete am 7. Jänner. Alle Bewerberinnen wurden am 10. Jänner per Email verständigt, ob sie sich zu den Glücklichen zählen konnten, oder nicht. Das Orga-Team verzeichnete dreimal so viele Anmeldungen, als es Plätze zu vergeben hatte. Schon am Ende des Workshops im Jänner wurde daher angedacht, dass es schon bald wieder ein Rails Girls Event in Wien geben soll und die neuesten Gerüchte sagen, dass einige Sachen bereits am Köcheln sind.

Als besonders engagiert ist hervorzuheben, dass das Orga-Team bis zum letzten Moment (tatsächlich bis zur Nacht vor dem Workshop), die durch kurzfristige Absagen (auf dem Höhepunkt der Grippewelle leider nicht zu vermeiden) freigewordenen Plätze durch Bewerberinnen auf der “leider nein”-Liste zu füllen.

Im Vorfeld

Das Orga-Team zog kommunikationstechnisch alle Social Media-Register, was sich vor allem in einem recht aktiven Twitter-Stream niederschlug. Die schon im Vorfeld zur Verfügung stehenden Informationen, was die Teilnehmerinnen beim Event erwartet, waren über die offizielle Rails Girls Seite zugänglich.

Softwarepackages etc., die es im Vorfeld (oder während der Installationsparty am Vortag des Workshops bzw. zu Beginn des Workshops) zu installieren galt, um Ruby on Rails on track bringen zu können, wurden mit umfangreichen Erklärungen zum Download zur Verfügung gestellt. Hier kam sicherlich der Vorteil zum Tragen, dass die Rails Girls zwar ein Event sind, das in lokaler Verantwortung liegt, aber von einem schon mehrfach erprobten (sich noch immer weiterentwickelnden) Konzept ausgeht.

Installationsparty 1

Installationsparty 2

Der Workshop

Auf dem Höhepunkt der Erkältungs- und Grippewelle, an einem eisigkalten Samstag im Jänner fand dann der eigentliche Rails Girls Vienna Workshop statt.

Die Teilnehmerinnen wurden an der Tür schon herzlich begrüßt, mit dem sofortigen Hinweis auf das bald zur Verfügung stehende (und mehr als reichliche) Frühstück.

Der Beginn war ein gemütliches “Hineingleiten” in den Workshop mit zur Verfügung gestelltem Frühstück, und nach und nach fanden sich die Teilnehmerinnen an den Tischen des Hub Vienna ein. Installationen wurden nochmals überprüft, Tischnachbarn kennengelernt, Programmier- und andere Erfahrungen ausgetauscht.

Workshop-Beginn

Den offiziellen Startpunkt stellte die Begrüßung der Teilnehmerinnen und die Vorstellung des Orga- und Coaches-Team dar. Dann ging es an die Kochtöpfe.

Workshop Begrüßung

Rodrigo Haenggi (@therod) gab die erste Einführung ins Programmieren mit Coding 101 (oder Coding is like Cooking, https://speakerdeck.com/therod/programming-101), beginnend mit den Basics (Table for two at “Le Web”), über die Webapplikation (Meet the Chef) bis zu einer genaueren Erläuterung von Frameworks und Programmiersprachen (Tools & Cooking Gear).

An diesem Punkt übernahm Michail Huber (@michihuber) Schürze und Kochlöffel und führte die Analogie weiter mit Details über Programmiersprachen und Framebox, Datenstrukturen und Datenbanken, die alle zusammen in der Bentobox sitzen.

Eine Präsentation des Sponsors Tupalo als praktisches Anwendungsbeispiel bildete den Abschluss der Vormittags-Präsentationsreihe und gleichzeitig auch den Startschuss für das Coding Vergnügen.

Bento-Box

Gebrütet wurde über dem Ruby Tutorial der Code School alleine am eigenen Laptop und doch war man gemeinsam im Boot, um sich beim Verständnis von loops und arrays gegenseitig weiterzuhelfen zu können. Bei Schwierigkeiten standen die Coaches jederzeit zur Verfügung, um zu erklären und weitere Hilfestellung geben zu können.

Vorteil und gleichzeitig aber auch Nachteil der Methode: Jeder konnte im eigenen Tempo arbeiten, sich aber trotzdem sofort mit anderen austauschen, die entweder weiter oder noch nicht so weit fortgeschritten waren im Tutorial – Peers sofort griffbereit. Gleichzeitig gab es aber keinen “empfohlenen” Fortschritt, der erreicht werden sollte, bevor es zum Mittagessen ging, oder besser das Mittagessen zu den Teilnehmerinnen kam.

Nach der ausreichenden Stärkung für alle ging es nach kurzer Umdisponierung des ursprünglich geplanten Programms (Aufbau einer Webapplikation in Kleingruppen) ans Eingemachte (um im Küchenjargon zu bleiben):

Programmierung einer Webapplikation unter Anleitung eines Coaches geteilt in zwei Großgruppen (Anfänger und Fortgeschrittene).

Die Rails Girls Ideas App

  • zuerst Küchentools vorbereiten AKA Server einrichten, Scafold vorbereiten etc.
  • dann Zutaten vorbereiten und den Herd aufdrehen AKA mit Hilfe der Coaches und der Schritt für Schritt Anleitung die “Rails Girls Ideas App” aufbauen
  • Und zum Schluss hin noch die Garnierung auf das fertige Gericht AKA das Design mit HTML und CSS ansprechender gestalten
  • voila fertig war das Eingemachte AKA die Rails Girls Ideas App

Genaueres zur App kann man hier finden: guides.railsgirls.com/app.

Den Abschluss des offiziellen Workshopteiles bildeten noch Talks von verschiedenen Coaches über ihren Werdegang, wie genau sich ihr Beruf im Bereich Programmierung gestaltet oder wo sie sich hinentwickelt haben, mit vielen Tipps für die Teilnehmerinnen und Inspiration für diejenigen unter den Teilnehmerinnen, die Blut geleckt hatten und sich weiter in das Feld des Programmierens begeben wollten.

Karin Schöfegger (@kschoef)

Naemi Luckner (@_gecko)

Coaches Rails Girls Vienna

Nach dem offiziellen Workshop fand noch die offizielle After-Party statt, aber dazu gibt es nur zu sagen, dass hier ausnahmsweise gilt: Was im Hub passiert, bleibt auch im Hub.

Die Resonanz

Der Ausdruck “überaus positiv” fängt das vorherrschende Stimmungsbild der Teilnehmerinnen sehr gut ein.

Die Organisation war effizient, überaus bemüht und erfolgreich. Die Versorgung mit Information und Betreuung vor bzw. während und nach dem Event war hervorragend. Zu keinem Zeitpunkt fühlte man sich als Teilnehmerin verloren oder alleine gelassen. Die Coaches waren nett und kompetent. Die Stimmung hätte besser nicht sein können. Die Gesellschaft war wunderbar, das Essen reichlich und hervorragend.

Der positive Lerneffekt und vor allem die Motivation und Inspiration durch die anderen Teilnehmerinnen, Coaches und das Orga-Team für viele Teilnehmerinnen war auf jedem Fall vorhanden.

Weiterführende Links

Twitter: twitter.com/RailsGirls_VIE

Facebook: www.facebook.com/RailsGirlsVienna

Alle Fotos in diesem Artikel (c) Raimund Appel, photobasis.net (CC-licensed)