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Das Spiele-Projekt “Noomix” dürfte den meisten von euch bekannt sein. Wir haben CEO Rene Baumgartner zum Interview gebeten – darin lest ihr, wo das Projekt steht, wie sich aus einem Studentenprojekt ein Unternehmen entwickelte und noch vieles mehr!

Vom Studentenprojekt zur eigenen Firma… Kannst du uns bitte diesen Werdegang genauer beschreiben?

Rene Baumgartner: ”Ein großer Teil des Teams war bereits vor Beendigung des Studiums fest dazu entschlossen, das Projekt ‘Noomix’ weiter zu führen. Da auch für die Produktion weiterer vollwertiger Computerspiele alle nötigen Kompetenzen und Voraussetzungen innerhalb des Teams gegeben waren und die Entwicklerlandschaft in Salzburg jedoch nicht gerade florierend war, kam es zum Entschluss, ein eigenes Entwicklerstudio auf die Beine zu stellen. Die Vorbereitungen dafür waren bereits seit Juni 2013 im Gange. Rasch bildete sich ein Kern- Team, welches sich in weiterer Instanz – in Kooperation mit zahlreichen Inkubatoren, sowie öffentlichen Beratungsstellen – Gedanken über den Geschäftsaufbau gemacht hat. Diese Vorbereitungs-Phase entpuppte sich als aufwändig und schweißtreibend zugleich. So zählte vor allem das Verfassen von Businessplänen, sowie Finanzplänen oder Förderanträgen zu den anfänglich größten Hürden. Zudem durfte das Schreiben der Masterarbeit und die Vorbereitung auf die Abschlussprüfung für den Studienabschluss eines jeden Einzelnen ebenfalls nie aus den Augen gelassen werden. Somit musste vieles parallel über die Bühne laufen. Doch all die harte Arbeit hat sich bezahlt gemacht. Im April diesen Jahres kam es schlussendlich zur Gründung der REDOX GmbH.”

Hattet ihr Unterstützung bei der Unternehmensgründung und vielleicht auch Tipps für unsere Leser diesbezüglich?

Rene: “Bevor es überhaupt zur Gründung unseres Unternehmens kommen konnte, richtete sich der Fokus vorerst auf intensive Kooperationsarbeit mit entsprechenden Anlaufstellen in Form von kostenlosen Erstgesprächen mit Experten der Wirtschaftskammer, sowie des akademischen GründerInneninkubator (‘Business Creation Center Salzburg GmbH’, kurz BCCS). Das BCCS begleitet innovative Geschäftsideen bis hin zur erfolgreichen Unternehmensgründung, bietet informative Beratung, professionelles Coaching, sowie entsprechende Infrastruktur und finanzielle Mittel. Ähnliche Inkubatoren finden sich übrigens auch in allen anderen Bundesländern, zu finden unter der Website des Vereins ‘AplusB’, www.aplusb.biz.

Fehler zu machen, insbesondere bei der Gründung eines neuen Start-Ups, gehört vor allem in der Anfangsphase dazu. Um diese Fehlerrate jedoch möglichst gering zu halten, sind professionelle Coachings, sowie etwaige Beratungsgespräche oder Seminare schlichtweg unumgänglich. Ein kleiner Tipp: Erstgespräche mit Beratern (Wirtschaftskammer, Inkubatoren, Steuerberater, Förderungsberater, Anwälte, … ) sind meistens kostenlos und zahlen sich aus.”

Wie finanziert sich euer Unternehmen?

Rene: ”Bis vor kurzem wurde ‘Noomix’ noch als reines Studierendenprojekt, beziehungsweise Hobbyprojekt entwickelt. Die Mitglieder investierten nach Abschluss ihres Studiums teilweise bis zu einem halben Jahr in das Projekt auf Risiko, ohne zunächst mit einer entsprechenden Entlohnung rechnen zu können.

Seit Dezember 2013 stellt uns das BCCS die nötige Infrastruktur, zahlreiche Coachings und ein Personalkostendarlehen für die zwei Gründer zur Verfügung. Dies benötigen wir, um einerseits die Entwicklung des Computerspieles voranzutreiben und andererseits den Geschäftsaufbau zu erleichtern.

Im März diesen Jahres wurde zudem unser eingereichter Förder-Antrag für das Basisprogramm der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft bewilligt. Mithilfe dieser zu Verfügung gestellten Fördergelder können in weiterer Folge große Teile der Entwicklungskosten gedeckt werden. Der Rest der noch anstehenden Kosten wird hauptsächlich durch Auftragsarbeiten, wie etwa mit dem Erstellen von kleinen Games, Websites oder Apps, ausgeglichen.

Unser nächstes angestrebtes Ziel ist es, diese Restkosten durch einen Publisher zu decken, mit der Intention in naher Zukunft das komplette Team zu 100% mit eigenen Game IPs auslasten und natürlich auch bezahlen zu können.”

Ihr habt nun ja auch einen neuen Namen: Wie lautet der und wie seid ihr darauf gekommen?

Rene: “Der Name lautet ‘REDOX Game Labs’. Während unserer Studienzeit an der Fachhochschule Salzburg verbrachten wir viel Zeit als Team in einem für Projekte zur Verfügung gestellten Raum, genannt ‘Game Lab’. In einer größtenteils lockeren Atmosphäre wurden Meetings abgehalten, Pläne geschmiedet, Arbeitspakete geschnürt sowie Brainstormings durchgeführt. Auch in unserem derzeitigen Büro im Techno_Z Salzburg herrscht eine ähnlich lockere Stimmung sowie eine offene Struktur, was stets sehr viel Dialog ermöglicht.

Der Name REDOX stammt aus der Chemie und bezeichnet eine Reduktions-Oxidations-Reaktion. Es können hierbei zahlreiche Analogien auf unser Team-Verhalten, sowie auf unsere Arbeitsmoral umgemünzt werden. Durch Verbrennung – unserer Freizeit, sowie unseres Geldes – wird Energie frei. Es werden Elektronen – das nötige Know-How und Können – freigesetzt und an entsprechende Reaktionspartner – die ArbeitskollegenInnen – weitergegeben… Aber hey: REDOX hört sich einfach gut an ;)

Wie schwer war es in puncto Firmennamen auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen?

Rene: “Die Idee unseres Firmennamens entstand nicht von einem Tag auf den nächsten. So einprägsam, interessant und simpel diese Begrifflichkeit auch klingen mag, umso schweißtreibender und anstrengender waren die Schritte dorthin. Wir mussten oft stundenlange Diskussionen durchlaufen, um überhaupt greifbare Ergebnisse freisetzen zu können. Deshalb sind wir jetzt sehr zufrieden, dass wir einen Namen gefunden haben, mit dem sich das gesamte Team identifizieren kann.”

Wie viele seid ihr jetzt eigentlich bei REDOX Game Labs?

Rene: “Das Team besteht zurzeit aus neun Personen. Vier Leute teilen sich das Programmier-Department, fünf Mitglieder bilden das Art-/Design-Department. Nach wie vor werden wichtige funktionelle Positionen, wie Geschäftsführung, Projektmanagement oder Accounting ebenfalls als Doppelrolle von den Teammitgliedern übernommen. Zudem wurden auch branchenübliche Positionen bzw. Terminologien wie ‘Art-Production Manager’ eingeführt. Im Studententeam nannten wir diesen noch einfach ‘Johannes’.”

Ihr arbeitet derzeit mit Hochdruck an eurem ersten Spiel ‘Noomix’ – könnt ihr uns hier bitte einen Einblick in die Entwicklung geben?

Rene: “Noomix – seit jeher einem sehr agilen Workflow unterzogen – hat im Laufe der Zeit einige Veränderungen über sich ergehen lassen müssen. Vor allem nach Abschluss des Studiums rückte es immer weiter in den Vordergrund, dass Noomix eine gewisse Marktakzeptanz erlangen sollte. Gemeinsam mit unserem strategischen Kooperationspartner ‘Remote Control Productions’ (RCP) aus München wurde eine klarere Linie für die weitere Entwicklung erarbeitet.”

Habt ihr schon einen Release-Termin, den ihr anpeilen wollt?

Rene: “Der Release-Termin ist mit der Finanzierung sowie dem Umfang des Spieles verbunden. Da beide Faktoren sehr stark von unseren Geldgebern (Förderstellen, Investoren und Vertriebspartner) abhängig sind, ist ein exakter Release-Termin zurzeit nur schwer festzusetzen. Firmenintern peilen wir jedoch das zweite Quartal nächsten Jahres an.”

Arbeitet eure ganze Belegschaft an ‘Noomix’ oder tüftelt ihr schon an neuen Projekten?

Rene: “Derzeit werkeln wir fast ausschließlich an Noomix. Nebenher werden auch Auftragsarbeiten in Angriff genommen, um so langsam aber sicher für einen finanziellen Rückhalt sorgen zu können.

Aber auch Ideen für weitere Folgeprojekte sind im Wachsen. Einiges wurde bereits niedergeschrieben, anderes wieder verworfen. Es ist ein ständiges Hin und Her, eine aufregende Achterbahn-Fahrt von Genialität und Unsinn. Doch nur so entstehen schöne Spiel-Ideen. Bevor wir uns ans nächste größere Projekt wagen, muss jedoch zuerst Noomix erfolgreich an den Mann bzw. an die Frau gebracht werden. Bei erfolgreichen Verkaufszahlen ist auch ein Sequel von Noomix durchaus denkbar.”

Ansäßig ist REDOX Game Labs ja in Salzburg – wie schätzt ihr die geografische Lage für einen Videospiel-Entwickler ein? Bringt euch die Nähe zu Deutschland hier Vorteile?

Rene: “Im Zeitalter des 21. Jahrhunderts ist es unserer Meinung nach weniger relevant, WO man sich befindet, sondern WIE man mit den zur Verfügung gestellten Mitteln umgeht und hantiert. Mithilfe des Internets und dessen unzähligen Angeboten an Kommunikations-, Vertriebs-, oder Vernetzungsmöglichkeiten sind wir auch in Salzburg international. Die Voraussetzungen ein Start-Up zu gründen und in weiterer Folge die breite Masse zu erreichen, sind definitiv besser, als noch vor beispielsweise 10 Jahren.

Wobei die geographische Nähe zu Deutschland für uns sicherlich kein Nachteil ist, da unser Partner RCP sein Headquarter in München hat und wir so relativ einfach an wichtigen Besprechungen oder ‘Dev-Summits’ teilnehmen können.

Was die Entwickler-Szene in Österreich betrifft, ist Wien natürlich als eindeutiges Epizentrum zu nennen. Es sind nicht nur die dort ansässigen Spiele-Firmen dafür verantwortlich, vielmehr kommt es stetig zur Austragung interessanter Veranstaltungen, Workshops und Events (z.B. Subotron, Content-Award, Pixel-Messe). Zu beobachten ist auch, dass sich weitere Städte wie beispielsweise Linz mit der ‘GameStage’ und vor allem mit der großen ‘GameStage Expo’ im September (lorti.github.io/gsexpo) in eine sehr gute Richtung bewegen. Doch auch Salzburg hat mittlerweile einiges zu bieten und kann sich mit diversen Initiativen und Institutionen durchwegs als interessierte ‘Szenen-Stadt’ bezeichnen. Da ist beispielsweise der ‘Games Workshop (www.facebook.com/SalzburgerGamesWorkshop) zu nennen, sowie das Schmiede Festival in Hallein (schmiede.ca) – aber auch die Fachhochschule Salzburg, welche sich mittlerweile stark im Bereich Gamedesign, Programmierung und Art/Design spezialisiert hat und die entsprechen Ausbildungsmöglichkeiten bietet. Und auch wir wollen in Zukunft mit unserem Studio dazu beitragen, Salzburg / Österreich als Entwicklungsstandort zu bereichern.”

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

Rene: “Unsere langfristige Vision ist es, uns als professionelles Entwickler-Studio zu positionieren, eigene Produkte bzw. IPs zu entwickeln und in weiterer Folge auch zu wachsen. Zurzeit gibt es für angehende SpieleentwicklerInnen in Österreich, speziell in Salzburg, leider wenige Möglichkeiten, eine Arbeit in dieser Branche zu finden. Vielleicht können wir als Studio in naher Zukunft anderen ansässigen talentierten EntwicklerInnen eine attraktive Alternative bieten, sich in Österreich verwirklichen zu können.”

Hast du noch abschließende Worte?

Rene: “An dieser Stelle sei nochmals ein herzliches Dankeschön an mein gesamtes Team der REDOX Game Labs gerichtet, sowie an dessen Teamtreue, Durchhaltevermögen und bedingungsloses Vertrauen. Viele Beratungsstellen warfen uns anfangs skeptische Stimmen entgegen – wir seien ja ‘wahnsinnig’, ein Start-Up diesen Ausmaßes in dieser Branche zu gründen. Aber für die Entwicklung von guten Spielen braucht es vermutlich ein großes, teils ‘wahnsinniges’ Team ;)

Vielen Dank für das Gespräch und die interessanten Einblicke – und bis bald!