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Vorgestern war es endlich soweit: “Watch Dogs“, der lang ersehnte Open-World Titel von Ubisoft, ist erschienen. Wir hatten bereits die Gelegenheit, zahlreiche Stunden im virtuellen Chicago auf unserer Playstation 4 zu verbringen. Im nachfolgenden Artikel lest ihr, wie es uns gefallen hat.

Die Story

Von Rache getrieben streift Protagonist und ehemaliger Verbrecher Aiden Pearce durch die Straßen Chicagos, immer auf der Jagd nach den Verantwortlichen für eine Familientragödie. Seine Vergangenheit hat ihn irgendwann eingeholt und das Ende war der Tod seiner Nichte. Die Hintergrundgeschichte in “Watch Dogs” ist etwas klischeebehaftet, wird jedoch hervorragend erzählt. Die Story im Spielverlauf ist spannend und motiviert zum Weiterspielen.

Weitaus realer als die Hintergrund-Geschichte fanden wir jedoch, dass Aiden nicht eine Sekunde ohne sein Smartphone auszukommen scheint – irgendwie erinnert das an die morgendliche Fahrt zur Arbeit mit U- oder Straßenbahn. Doch Aiden surft damit nicht etwa im Internet oder treibt sich auf Facebook herum, nein. Das Smartphone ist seine wichtigste Waffe, denn Aiden ist ein brillanter Hacker. Und zum Glück ist das fiktive Chicago in “Watch Dogs” durch ein allumfassendes Netzwerk, genannt “Central Operating System” oder kurz “ctOS“, miteinander verbunden. Dieses Netzwerk steuert nicht nur öffentliche Verkehrsmittel oder Brücken, sondern kontrolliert auch andere Technik und speichert alle Daten der Stadt – darunter etwa auch persönliche Daten der Einwohner.

Das Hacken im Detail

Da sich das Hacken wie ein roter Faden durch das ganze Spiel zieht und es DAS Gameplay-Feature ist, das “Watch Dogs” von anderen Open World-Spielen abhebt, werden wir euch dieses Feature ein wenig genauer vorstellen. Der Spieler erhält mittels Hacken – leider nur ein einfacher Druck auf die Viereck-Taste – Zugriff auf Überwachungskameras und kann so zum Beispiel potenzielle Verbrecher ausspionieren, die Lage sondieren, oder zuvor außer Sichtweite befindliche Gegenstände hacken. Hackt man das Smartphone eines Passanten, bucht man etwa einen Geldbetrag direkt von dessen auf sein eigenes Konto oder lauscht Telefongesprächen, in denen man Einblick in das Leben des Menschen bekommt. Begeistert dies zu Spielbeginn noch und sorgt für Authentizität, so lässt man die Passanten, von denen man keine Kohle bekommt, nach kurzer Zeit schnell links liegen.

Während Verfolgungsjagden kann man Ampeln hacken und so entweder für die eigene freie Fahrt sorgen, oder man stellt die Ampel der querenden Straße auf grün und hofft, dass andere Verkehrsteilnehmer dadurch in die Polizeiwagen donnern – belohnt wird dies mit einer netten Kamerafahrt und dem Zusammenstoß der Fahrzeuge in Zeitlupe. Ansonsten gilt es noch Brücken zu heben oder zu senken, Nahverkehrszüge zu beeinflussen und noch vieles mehr.

Eingebettet ist das Gehacke in relativ standard-übliche Open World-Kost, wie man sie schon von anderen Titel kennt. Auftrag annehmen, Auto schnappen, zum Ziel fahren, ein wenig ballern – angereichert mit einer Prise Hacken. Dazu gesellen sich ctOS Knotenpunkte, die es einzunehmen gilt und die dann wiederum neue Nebenbeschäftigungen freischalten. Nicht unbedingt zum Genre-Standard gehört allerdings ein Level-System gepaart mit einem Skill-System, in dem man seine hart verdienten Skill-Points für neue oder verbesserte Fähigkeiten ausgeben kann.

Ebenfalls nicht zum Genre-Standard gehören die Mini-Spiele: Hier gibt es zum Beispiel ein Augmented Reality Spiel, in dem man durch Chicago läuft, jedoch über AR virtuelle Münzen einsammeln und Totenköpfen ausweichen muss. Oder ein höllisches (im wahrsten Sinne des Wortes) Rennspiel, in dem man zahlreiche herumstreifende verlorene Seelen niederfahren muss. Diese Spiele sorgen für Abwechslung und bieten jedes für sich sogar eigene Skill-Trees.

Multiplayer

Neben der Singleplayer-Kampagne bietet “Watch Dogs” auch mehrere Mehrspieler-Modi: Online Hacking-Verträge (1 vs. 1), eine ctOS Mobile Companion App und einen kompetitiven Multiplayer. Ubisoft hat erst unlängst ein Video veröffentlicht, das euch die unterschiedlichen Arten näher bringen soll:

Die Technik

Technisch gesehen gibt sich “Watch Dogs” auf der Playstation 4 keine Blöße. Zwar verstummen die Stimmen im Internet nicht, dass sich die grafische Qualität seit der Ankündigung deutlich verschlechtert hat, das Spiel sieht aber wirklich gut aus. Der Detailgrad stimmt, im fiktiven Chicago ist immer etwas los, die Passanten wurden schön abwechslungsreich gestaltet. Dazu gesellen sich die stylisch in das Bild eingefügte HUD-Elemente, die die Hacker-Atmosphäre unterstützen. Vor allem der Sound hat es uns aber angetan – die Abmischung ist sehr druckvoll, die enthaltenen (freizuschaltenen) Musikstücke wissen ebenfalls zu überzeugen und sollten für jeden Geschmack etwas bieten. Ihr seht schon: Bezüglich Technik haben wir nicht wirklich etwas auszusetzen. Einzig Bäume oder Sträucher sehen nicht wirklich “next-genig” aus.

Meinung

Ich habe mich wirklich schon lange auf “Watch Dogs” gefreut, da ich das Hacking-Szenario sehr spannend und vor allem auch wohltuend erfrischend für ein Open World-Spiel fand. Diesbezüglich wurde ich auch nicht enttäuscht. Die zahlreichen Möglichkeiten zu hacken machen Spaß. Doch einen Wermutstropfen gibt es hierbei schon: Einzig ein Druck oder kurzes Halten der Viereck-Taste reicht stets aus. Das ist jetzt aber Jammern auf hohem Niveau. Was mich aber wirklich gestört hat, sind die Verfolgungsjagden mit der Polizei. Viel zu häufig wird man einerseits verfolgt, viel zu hartnäckig verhalten sich die Cops und viel zu schwierig ist es oft, sie abzuhängen. Gerade bei einer Art von Nebenmission, in der man Autos von A nach B bringen muss und sofort verfolgt wird, sobald man in das jeweilige Auto einsteigt, bin ich viel zu oft gescheitert und war anschließend doch ziemlich demotiviert.

Anders hingegen die Story: Die funktioniert super und motiviert zum Weiter- bzw. Durchspielen. “Watch Dogs” leidet jedoch unter zu vielen Features bzw. Nebenbeschäftigungen. Wählt man auf der Karte eine Story-Mission an und fährt auf sie zu, kann man sich fast sicher sein, dass man ein Verbrechen oder irgendeine andere Mission am Weg dorthin vorgeschlagen bekommt. Klar, mehr Content ist immer gut, doch irgendwie nervt das hier schon beinahe ein wenig. Wer aber auf Open-World Spiele steht und vor hat, damit zig Stunden zu verbringen, kann diesen Kritikpunkt getrost vergessen ;) .

Persönliche Wertung: 8 von 10 Punkten

Hier haben wir noch den Launch-Trailer zu “Watch Dogs” für euch:

Bild: watchdogs.ubi.com